"Das Schlundhaus ist seit alter Zeit ein Hort gepflegter Gastlichkeit"

Zur Geschichte des Hauses

Artikel aus der Main Post vom 14.09.09 von Regina Vossenkaul

            

Wo einst Gustav Adolf residierte
Beim „Tag des offenen Denkmals“ wurde das Schlundhaus vorgestellt
(reg) Sehr gut besucht war der Vortrag von Kreisheimat- und Archivpfleger Reinhold Albert am Tag des offenen Denkmals, der in diesem Jahr historischen Gasthäusern gewidmet war. Das Schlundhaus, eines der traditionsreichsten Gasthäuser im Landkreis, wurde in Bad Königshofen vorgestellt. Im Kellerraum des Archäologischen Museums berichtete Albert von der spannenden Geschichte des Gebäudes.

Schlundhäuser wurden schon im frühen Mittelalter in Urkundenbüchern erwähnt, aber ausschließlich in Orten der ehemaligen Grafschaft Henneberg, so in Bad Königshofen, Saal und weiteren Orten. Es handelt sich dabei um die offiziellen Wirtshäuser in den öffentlichen städtischen Gebäuden, den Rathäusern oder wenigstens in ihrer unmittelbaren Nähe. Vielleicht wollte man den zu Beratungen versammelten Gemeindemitgliedern nach beendeten Redeschlachten Gelegenheit geben, sich gemeinsam zu stärken. Wie Albert ausführte, kommt die Bezeichnung vom mittelhochdeutschen Wort „Slund“, wie Schluck oder Schlund und bezeichnet einen Ort, an dem man gut essen und trinken kann.

Wahrscheinlich tagte der Rat der Stadt Königshofen einstmals im Schlundhaus, das ja der Stadt gehörte und an Wirte verpachtet wurde. Diese hatten es oft schwer, wie Albert erläuterte. So bat 1548 ein gewisser Jörg Ebener als Schlundwirt zu Königshofen den Fürstbischof um Stundung seiner Abgaben, da er durch Kriegsvolk, das bei ihm Herberge genommen und nichts bezahlt habe, verschuldet sei. Wegen der Pest wurde 1574/76 keine Pacht vom Schlundwirt eingezogen, weil er keinen Umsatz hatte und selbst verstarb.

Auch der Dreißigjährige Krieg von 1618 bis 1648 hinterließ in Königshofen tiefe Spuren. Das Hauptheer von Schwedenkönig Gustav Adolf traf am 9. Oktober 1631 vor Königshofen ein. Die schwache Besatzung der Stadt hatte gegenüber der sichtbaren Übermacht keine Chance. Angesichts des erschreckenden Exempels, das die Soldaten an Merkershausen statuiert hatten (sie brannten es nieder), nahm man das Angebot zur Kapitulation an.

So zog die fürstbischöfliche Besatzung aus Königshofen ab und König Gustav Adolf mit seinem Generalstab und der Leibkompanie in die Festung ein. Dieses Ereignis ist auf dem Gemälde an der Hausfront des Schlundhauses dargestellt. Später ritt der König Richtung Schweinfurt davon, zurück blieb eine schwedische Besatzung von etwa 600 Mann.

Noch einmal weilte Schwedenkönig Gustav Adolf in der Festung Königshofen und nächtigte wahrscheinlich im Schlundhaus, wo er sich kurz vor seinem Tod zum letzten Mal mit seiner Gemahlin Maria Eleonora, traf.

Anno 1632 brannte das Schlundhaus in Königshofen ab, ist in einem Ratsprotokoll vom 12. Januar 1639 vermerkt, der Grund ist unbekannt. Erst drei Jahre nach dem Brand des Schlundhauses vergriffen sich die Schweden an der Ruine, weil das Brennholz wegen der Einschließung der Festung Königshofen durch die schwedischen Besatzer ausgehungert werden sollten, sehr knapp war. Damit räumte Albert mit der sich hartnäckig haltenden Geschichte auf, die Schweden hätten Teile des Schlundhauses einfach als Brennholz genutzt und damit das Haus zerstört. 1635 gaben die Schweden auf und die Stadt kam wieder unter Würzburger Herrschaft.

Erst nach 30 Jahren, also 1659 beschloss der Stadtrat Königshofen, das Schlundhaus wieder aufzubauen. Die Steine dafür wurden von einem Steinbruch bei Alsleben herbeigeholt. Damals wurden auch die Kellergewölbe des Schlundhauses, die nicht zerstört waren, erweitert. Ein Balken mit der gemeißelten Inschrift 1661 erinnert heute noch im Schlundhaus an den Neubau. Die zum Anwesen gehörende Scheune hatte man bereits 1644 errichtet. Für Arbeitskräfte für den Neubau sorgte auch die städtische Gerichtsbarkeit, Verurteilte mussten zur Strafe dort beim Bau helfen. So wurden einem gewissen Hans Härtung als Strafe für finanzielle Untreue gegen seine Ehefrau „8 Tage im Schlundhaus Erden einführen" aufgebrummt.

1662 war der Wiederaufbau des Schlundhauses abgeschlossen. Er kostete 809 Gulden 2 Pfund Heller und 13 Pfennig. Bis 1720 tagte in dem Gebäude auch das Zentgericht, daran erinnern heute noch Inschriften im Gastraum.

1861 ersteigerte Katharina Krampf das traditionsreiche Gasthaus am Marktplatz. Sie verkaufte es 1892 an Eduard Lutz, von dessen Witwe Josefine es an Michael Josef Lutz überging. Am 16. Juli 1917 verkaufte eine Erbengemeinschaft, vertreten durch Dechantpfarrer Michael Weipert (er wirkte von 1909-1917 in Königshofen), das Schlundhaus an den Weingroßhändler Otto Hübner. Nach dessen Tod führte seine Tochter Sybille den Betrieb fort. 1978 übernahm Sohn Christian Fischer das Gasthaus und gründete im Februar 2009 mit seiner Tochter Beate eine GbR. Gemeinsam führen sie das traditionsreiche Gasthaus weiter, wobei sie das historische Ambiente mit modernem Komfort verbinden. Davon konnten sich die Teilnehmer überzeugen, die nach dem Vortrag an einem Rundgang durch das Haus teilnahmen.